E-Portfolio Sandra Pfannes

Profession Soziale Arbeit (Details)

Soziale Arbeit „braucht nicht eine, sondern mehrere Theorien, so wie man für einen Werkzeugkasten nicht nur einen Hammer benötigt, sondern eine Säge, einen Schraubendreher […] – und am besten von den verschiedenen Werkzeugen unterschiedliche Ausführungen (Lempp 2003; S.5).

Diese Aussage von Lempp finde ich kreativ und treffend und sofort konnte ich einen Transfer zu meinem leidenschaftlichen Hobby der Malerei schaffen. Sicherlich gibt es Freunde und Liebhaber des intuitiven Malens und seiner Ergebnisse – ich erinnere an die drei Gemälde eines Affen namens Congo, die auf einer Auktion einen Verkaufswert von 20.000 € erzielten und dennoch ist Malen, wie das Komponieren von Farben unter dem Nutzen unterschiedlichster Instrumente und Techniken. Je größer mein Wissen über Material, Handhabung des Werkzeugs, Wirkung von Farben in Kombination mit der Erfahrung, diese in ihrer vielfältigsten Art und Weise zu nutzen schafft (Spiel)Raum, dem Objekt die Wirkung zu verleihen, die man erzielen möchte. Ähnlich wie in der Kunst verhält es sich auch in der Sozialen Arbeit. Was unterscheidet einen Hobbymaler von professionell, studiertem Kunstschaffendem? Was unterscheidet Laienarbeit von der Profession Sozialer Arbeit? Es ist die Theorie oder vielmehr das Wissen um die Theorie und deren Anwendung,  die unser Handeln als Akteur der Sozialen Arbeit verändert. Ich stimme Lempp ebenfalls zu, in dem er schreibt: „Theorien sollten zahlreich, sein, sie sollten klein und überschaubar, also im besten Sinne „nicht-akademisch“ sein“  (Lempp 2003; S.14). Meines Erachtens sind Theorien notwendig, um eine Auseinandersetzung mit dem eigenen Handeln und seiner Wirksamkeit im Kontext gesellschaftlicher Veränderungen lebendig zu halten. Sie verleiten jedoch daran zu glauben, man müsse nur eine bestimmte Theorie anwenden um in der Praxis das erwünschte Ergebnis zu erzielen. Denn wer verspricht uns als Akteur der Sozialen Arbeit, dass dies auch so beim Empfänger unserer Dienstleistung ankommt? Münchmeier beschreibt diesen Wunsch sogar als Utopie und nimmt damit Bezug auf eine Theorie in den 70er Jahren, dass Wissenschaftliches Wissen, Veränderungswissen und praktisches Handeln, Veränderungshandeln sein sollte (vgl. Münchmeier 2013; S. 52).

Letztendlich entscheidet über die Wirksamkeit unseres Handelns die Kooperationsbereitschaft des Gegenübers und bei den Kunstschaffenden misst sich der Erfolg seiner Werke in dem Maße, wie es seine Kunstwerke vermögen, den Betrachter zu erreichen.

Ich möchte meinen Vergleich mit folgendem schließen:

Was nütze es dem Kunstliebhaber, wenn es bei der Wissenschaft über und an der Kunst bliebe, wenn es nicht den Maler gäbe, der mit der Anwendung dieses Wissens gerade diese Kunstwerke schafft, die seine Leidenschaft entfacht?

Ähnlich sieht es auch Sommerfeld, die Professionalisierung sozialer Arbeit als Gesamtkunstwerk aus Wissenschaft und Praxis betrachtet.

 

Quellen:

Herwig-Lempp, Johannes(2003): Welche Theorie braucht Soziale Arbeit in: Sozialmagazin 2/2003, S. 12-21

Münchmeier, Michael (2013): Wie die Wissenschaft in die Soziale Arbeit kam in: Sozial Extra 112 2013: 51-52 . i 10 10071~12054-013-0018-

Mein professionelles Selbstverständnis (Details)

Fachwissen

Schon immer hatte ich den Anspruch, mein berufliches Handeln mit theoretischem Wissen zu untermauern. Das Wissen um das Warum und Wie erlaubte mir einen sicheren Handlungsspielraum, eröffnete mir aber auch die Ausgangslage für die Erforschung und Erprobung neuer Handlungsansätze im Rahmen meiner Tätigkeiten. Das Wissen um die eigene Kompetenz bestätigt mich innerlich in meiner Profession und verschafft mir nach außen hin Respekt und Anerkennung. Fach- und Methodenkompetenz nimmt für mich persönlich daher den größten Stellenwert in der Trias professionellen Selbstverständnisses ein. Prozesse selbst zu gestalten, innovative Ansätze zur Neugestaltung des Sozialen zu entwickeln, sehe ich als meine ganz persönliche berufliche Leidenschaft an.

Reflektion

Was nützt mir jedoch alle Fach- und Methodenkompetenz ohne die Fähigkeit der Selbstreflexion? Die Begegnung mit Klienten und deren unterschiedlichsten Lebenswelten, aber auch der ständige Aufenthalt im Spannungsfeld zwischen anwaltschaftlicher Tätigkeit pro Klient, eigenen ethischen und normativen Ansprüchen und der professionellen Verpflichtung gegenüber Arbeit- und Gesetzgeber macht es notwendig, das eigene Handeln selbstkritisch zu hinterfragen und erfordert gleichzeitig die (Kritik)fähigkeit, sich im kollegialen Kreis zu reflektieren oder aber auch Position zu beziehen.

Sozialkompetenz

Die Bereitschaft des lebenslangen Lernens bezieht sich meines Erachtens nicht ausschließlich auf das Aneignen von Fachwissen. Keiner von uns ist Superman oder Superwoman und niemand unter uns Sozialarbeitern sollte diesen Anspruch an sich stellen. Dennoch können wir nicht darüber hinwegsehen, dass die Erwartung an uns professionelle „Sozis“ aus Sicht der Gesellschaft und der Klienten besonders hoch ist, wenn es um den Aspekt der Sozialkompetenz geht. Das Idealbild eines Sozialpädagogen zeichnet sich durch hohe Kommunikations- und Teamfähigkeit aus. Wir brillieren durch unsere schon masochistisch wirkende Kritikfähigkeit und glänzen durch Empathie und Verantwortungsbewusstsein. Zuverlässigkeit, Sorgfalt und die Fähigkeit der Selbstorganisation sollten nicht extra als Grundeigenschaft jedes Sozialpädagogen genannt werden müssen. Mein persönlicher Anspruch ist nicht, diesem Bild gerecht zu werden sondern dort an mir zu feilen, wo der kleinste gemeinsame Nenner zwischen meinen Ansprüchen, denen des Klienten und denen des Arbeitgebers zu finden ist.

Salutogenese

Zum professionellen Selbstverständnis gehört für mich ebenfalls die Fähigkeit, selbst auf sich zu achten. Die Pflege von Geist und Körper, die Akzeptanz von psychischen und physischen Grenzen sind notwendige und existenzielle Fähigkeiten für ein erfüllendes und gesundes Berufsleben. Das Spiel zwischen Distanz und Nähe in der Auseinandersetzung mit dem Klienten und seinen Lebenslagen/Lebenswelten sollte in unserem Berufsfeld immer beherrscht werden.

…zu allerletzt…

steht und fällt der Erfolg jeder Arbeit mit dem Klienten mit dem Vertrauensverhältnis und vertrauen ist nur dann möglich, wenn man authentisch in seiner Person bleibt.

kokom.net: eine Plattform für internetgestützte kollegiale Beratung nach dem Heilsbronner Modell (Details)

Liebe auf den ersten Blick (Details)

Sowohl die Begriffe "Kollegiale Beratung" als auch "Heilsbronner Modell" waren mir bis zum  WTP Modul vollkommen fremd. Dennoch war mir die Idee der internetgestützten kollegialen Beratung sofort sympatisch und weckte mein ganzes Interesse. Ich hatte mich gefragt, warum so etwas in der Krankenpflege nicht bekannt ist. In den Fallbeispielen habe ich das Konzept der kollegialen Beratung als sehr strukturiert und wertvoll empfunden. Gerne würde ich zu gegebener Zeit auch in meinem Arbeitsbereich dieses System implementieren.

kokom.net (Details)

Meine Arbeit in der Fallberatung (Details)

Das Heilsbronner Modell war mir bisher vollkommen unbekannt. So kann ich keinen Vergleich zwischen virtuellem und realem Prozess ziehen.

Die asynchrone Kommunikation bietet Raum für strukturiertes, konzentriertes und stark lösungsorientiertes Arbeiten. Es besteht die Möglichkeit, selbst zu entscheiden zu welchem Zeitpunkt man in die Beratungstätigkeit geht. Ratsam empfinde ich jedoch zu Beginn einer Fallbesprechung einen Beratungszeitraum, eine Zeitschiene und eine Deadline festzulegen. Dies beugt Beratungen mit Kaugummicharakter vor. Als Fallgeber empfand ich die Moderation durch eine andere Person sehr hilfreich. Insbesondere deshalb, weil einem dadurch die eigene emotionale Verbundenheit mit der Thematik nochmals bewusster wird. Der Moderator nimmt hier eine wertvolle regulierende und strukturierende Funktion ein.

Insgesamt ist der Einstieg in die virtuelle kollegiale Beratung für mich ein wertvoller Zugewinn für meine eigene berufliche Praxis und ich kann mir vorstellen, diese als Handlungswerkzeug klinischer Sozialarbeit einzusetzen. Denn die Qualität klinischer Sozialarbeit zeichnet sich ebenfalls dadurch aus, wie eng und gut vernetzt der Sozialarbeiter mit interdisziplinär  beteiligten Berufsgruppen ist.

Fallbeispiel: Vernachlässigung Schutzbefohlener (Details)

Im Rahmen meiner Tätigkeit als Pflegeberaterin führe ich auch individuelle Schulungen für pflegende Angehörige durch. In diesem Zusammenhang habe ich auch eine Frau beraten, die ihren Mann seit vielen Jahren pflegt. Die Schulung sollte jedoch nicht das Problem sein, sondern die familiäre Situation, die ich vorfand:

Die PP (Frau K.) lebt mit ihrem pflegebedürftigen Mann und ihrem erwachsenen Sohn in einem kleinen Haus. Die wohnlichen Verhältnisse sind eng, waren bisher für 3 Personen ausreichend. Mit Spendengeldern aus dem Ort und Antenne Bayern wurde das Haus vor einigen Jahren barrierefrei umgebaut und die Heizungsanlage saniert. Um ein besseres Bild zu schärfen hier ein paar Fakten zu den Personen:

Hintergrundinformation:

Frau K: 58 Jahre, übergewichtig, kardiale Vorerkrankung jedoch kompensiert, nicht berufstätig, pflegende Angehörige.

Der Sohn: Vollzeit im Schichtdienst berufstätig ohne Führerschein (wegen Drogendelikten entzogen worden), kümmert sich nur gegen Bezahlung gelegentlich um seinen Vater, zahlt Untermiete an seine Mutter. Drogenmissbrauch liegt aktuell nicht vor.

Der Ehemann von Frau K: Bettlägerig nach mehrfachen zerebralen Insulten mit Aphasie (sprachliche und zielführende  Kommunikation nicht möglich), spastische Paresen, übergewichtig, Pflegestufe 3, alle Aktivitäten des täglichen Lebens müssen übernommen werden; 2x tgl. kommt der mobile Pflegedienst, 2x wöchentlich eine Haushaltshilfe zur Entlastung der PP.

In der Vergangenheit war bereits der Allgemeine Soziale Dienst tätig, da die finanziellen Ressourcen der Familie nicht ausreichten und die Pflege des Mannes in der Vergangenheit wegen Überlastung nicht immer gewährleistet war. Dieses Problem konnte durch die regelmäßigen Einsätze des Pflegedienstes beseitigt werden.

Der Fall:

Vor 3 Monaten zogen überraschend die zwei Töchter des Sohnes – Zwillinge 3 Jahre alt – mit in den Haushalt ein. Die leibliche Mutter und Exfreundin des Sohnes gab das Sorgerecht in Form eines Briefes „von heute auf morgen“ an den Vater ab und zog nach Hamburg zu ihrem neuen Lebensgefährten und ist nicht zu erreichen. Adresse und Telefonnummer sind unbekannt. Die Frau kommt aus dem Milieu und erhielt bereits ambulante Erziehungshilfe. Seitdem leben die 2 Mädchen im Haushalt von Frau K. - bisher sah der Sohn seine Kinder alle 2 Wochen.

Beim häuslichen Besuch ergab sich folgendes Bild:

Frau K. wirkt überfordert und müde. Auf Nachfrage erzählt sie, dass sie sich nun auch noch um die Kinder kümmern müsse, da der Sohn ja Schicht arbeite. Dazu müsse sie die Kinder jeden Morgen in den 10 km entfernten Kindergarten fahren, sowie ihren Sohn auf die Arbeit. Neben der Pflege ihres Mannes wächst ihr das alles über den Kopf. Sie liebe die Kleinen und ihr Sohn kümmert sich, wo er kann. Die Wohnung ist unaufgeräumt, überall liegt Spielzeug, schmutzige Wäsche, Essensreste stapeln sich in der Küche und im Wohnzimmer. Die Kinder haben kein eigenes Zimmer, sondern schlafen im Zimmer ihres Vaters. Nirgends ist eine kindergerechte Umgebung festzustellen. Die Kinder sprechen nicht und wirken in ihrem Verhalten verängstigt und verstört. Das äußere Erscheinungsbild der Kinder ist jedoch nicht zu beanstanden. Anzeichen von Misshandlung sind nicht festzustellen. Der Ernährungszustand ist regelrecht. Der Vater will sich auf jeden Fall weiter um seine Kinder kümmern und lehnt jede Hilfe von außen ab. Der Sohn versichert seiner Mutter sich bald eine eigene Wohnung zu suchen, doch im Moment hätte er nicht genügend Geld und wüsste auch nicht, wie das mit dem Schichtdienst alleine funktionieren soll.

In Rücksprache mit der Haushaltshilfe durch unseren Pflegedienst erfahre ich, dass die häuslichen Verhältnisse bedenklich sind. Mit 2x wöchentlich könne sie den hauswirtschaftlichen Unterstützungsbedarf nicht mehr decken. In Rücksprache mit meinem Chef des Pflegedienstes erfahre ich, dass es sehr schwierig war, überhaupt den Allgemeinen Sozialen Dienst ins Haus zu bringen. Er ist froh, eine Vertrauensstellung bei Frau K. zu besitzen und möchte diese nicht aufs Spiel setzen, da sonst keine offizielle Stelle mehr Einblick in die familiären Verhältnisse hätte. Eine Meldung beim Jugendamt wegen Verdacht auf Vernachlässigung Schutzbefohlener ist immer eine heikle Sache. Und so lange seine „Mädels“ täglich alles im Blick haben, könnte eine ernsthafte Gefährdung der Kinder ausgeschlossen werden.

Persönlich mache ich mir Gedanken über meine eigene Verantwortung, die rechtliche Situation sowie darüber, wie lange Frau K. noch „durchhält“ – die Belastung ist immens.

Erkenntnisgewinn und Ergebnis aus der Fallberatung (Details)

Dieses Fallbeispiel ist tatsächlich direkt aus meinem früheren Arbeitsfeld gegriffen gewesen und die Situation begann mich auch privat zu beschäftigen. Wie so oft ergab es sich, dass aktuelle Inhalte meines Studiums sich im direkten Transfer zu meinem beruflichen oder privaten Umfeld fanden - so auch in diesem Fall.

Besonders bereichend empfand ich den Professionsmix in meiner Beraterrunde. So erhielt ich Vorschläge für Handlungsansätze, die ich mit meiner "Professionsbrille" nie gesehen hätte. Ich kann mich erinnern, dass ich besondern aus dem umfangreichen Wissensfundus meines Studienkollegen Herbert Knapp schöpfen konnte.

Erst ein Jahre später wurden die Kinder in einer Pflegefamilie untergebracht. Bis heute weiß ich nicht, von welcher Seite letztendlich der Hinweis ans Jugendamt kam. Ich dokumentierte damals die Ergebnisse unserer Kollegialen Beratung im Dashboard meines damaligen Arbeitgebers. Ich konnte damals die Mitarbeiter des Pflegedienstes für den Fall sensibilieren und eine heiße Diskussion entbrannte. Bis heute weiß ich nicht, wer das Jugendamt informiert hat, aber ich bin glücklich über den Umstand, dass die Kinder heute in einer Pflegefamilie untergebracht sind.

Gerade dieser Fall hat dieser Tage an besonderer Aktualität gewonnen. Denn auf dem Sommerfest des Pflegekinderfachdienstes, an dem ich selbst am Wochenende teilnahm, durfte ich die Familie kennen lernen, die die Kinder aufnahm und konnte gleichzeitig sehen, wie prächtig sich die Mädchen entwickelt haben. Der pflegebedürftige Vater wurde in einem Heim untergebracht, wo er gestern verstarb. Die Oma zog in eine kleine Wohnung in die Stadt. Der Vater der Kinder hat alle 2 Wochen für 2 Stunden begleiteten Umgangskontakt.

Jederzeit und gerne würde ich wieder den Weg einer Kollegialen Beratung bei solch schwierigen Fällen wählen.

Schlagworte: Professionionalität, Verantwortung, §, Sozialdienst, Jugendhilfe, Kollegiale Beratung
1677 Ansichtsbesuche von 20. August 2015 bis 17. Dezember 2017