Zertifikat Soziale Arbeit in der Einwanderungsgesellschaft

Gegenstand der Weiterbildung

Deutschland ist faktisch zu einer Einwanderungsgesellschaft geworden, obwohl die offizielle Politik diesen Terminus vermeidet. Institutionen und Bevölkerung stehen vor der Herausforderung, neue Formen des Umgangs mit der durch Zuwanderer repräsentierten „Fremdheit“ zu entwickeln und es gilt, Integrations- und Inklusionsprozesse neu zu denken. Die Notwendigkeit hierfür besteht insbesondere im Hinblick auf die „erzwungene Migration“, also die Fluchtbewegungen, die durch vielfältige Ursachen (soziale Ungleichheit, ökologische Katastrophen usw.) ausgelöst werden. Diese werden absehbar bestehen bleiben oder sich noch verschärfen, so dass mit einem dauerhaften Rückgang der Zuwanderung eher nicht zu rechnen ist.

 

Gesellschaftliche Prozesse dieser Art stellen die Disziplin der Sozialen Arbeit vor neue Herausforderungen. Bislang waren es insbesondere engagierte Bürgerinnen und Bürger, die schon über Jahre hinweg die Zuwanderung von Geflüchteten aufgefangen haben und dabei besondere Kompetenzen der Aufnahme, Beratung und Betreuung entwickelten. Kommunen und etablierte soziale Organisationen versuchen hingegen, diese neuen Herausforderungen nach bewährten Mustern zu bearbeiten. Es wird allenfalls in Zahlen und Mengen gedacht und ggf. beabsichtigt, mehr Personal einzustellen. Doch schon jetzt fehlen vor Ort speziell ausgebildete Fachkräfte, die die Beratung und Betreuung von geflüchteten Menschen oder gar die Leitung von sozialen Einrichtungen übernehmen könnten.

 

Die Weiterbildung „Soziale Arbeit in der Einwanderungsgesellschaft“ setzt genau hier an. Sie bündelt die relevanten, aktuellen Kenntnisse und Debatten der Sozialen Arbeit zu einem Angebot für engagierte Personen, die in dem Feld Flucht und Migration bereits tätig sind oder noch tätig werden wollen.

Module

Grundlagen Sozialer Arbeit

Teilnehmer*innen kennen das Aufgabenspektrum, den Wertekontext und die Zielsetzungen der Sozialen Arbeit und verstehen diese in ihrer Abhängigkeit vom jeweiligen historisch-politischen Kontext. Sie kennen ausgewählte zeitgenössische Theorien der Sozialen Arbeit und können die Zusammenhänge zwischen den theoretischen Maximen und der praktischen Ausgestaltung der Sozialen Arbeit erkennen. Sie kennen Methoden der Beratung, Begleitung und Aktivierung von Adressat*innen und können diese im klassischen Methodenspektrum verorten. Sie können zentrale Begriffe (Integration, Inklusion, Partizipation) unterscheiden und entsprechende Strategien vor dem Hintergrund konkreter Machtkonstellationen entwickeln. Sie erkennen die Paradoxien professionellen Handelns (Hilfe und Kontrolle, Hilfe und Abhängigkeit usw.) und können diese im praktischen Handeln reflektieren. Sie verstehen die eigene Berufsrolle im Sinne der Begleitung und Unterstützung von Menschen bei der Problembewältigung. 

 

Moderne Flucht- und Migrationsprozesse

Teilnehmer*innen kennen die Vielfalt von strukturellen Hintergründen und Motiven von Migrations- und Fluchtbewegungen und können diese in einen globalgesellschaftlichen Rahmen einordnen. Sie können unterschiedliche Flucht- und Migrationstypologien unterscheiden und gesellschaftliche Folgen von Migrations- und Fluchtbewegungen analysieren und beurteilen.

 

Theorie-Praxis-Transfer

Vortragsreihe: Zu aktuellen Erfahrungen und Problemstellungen bzgl. möglicher Themen wie Soziale Arbeit als Menschenrechtsprofession, Interkulturelle Kompetenz oder Verwaltungsaspekte werden Fachleute dazu eingeladen aus der Praxis zu berichten.

Praxisbegleitseminar: Gemeinsam in der Gruppe werden Erfahrungen und Vorhaben der Teilnehmer*innen reflektiert und besprochen. Im Vordergrund stehen dabei die persönliche Rolle, die Trägerlandschaft, die gesellschaftlichen, wie ethisch normativen Aspekte.

Teilnehmer*innen sind in der Lage sowohl theoretische Aspekte als auch Handlungsaspekte im Arbeitsalltag umzusetzen. Sie erlangen ein Fallverständnis und können Aspekte institutioneller Zusammenhänge einordnen.

 

Gender und Intersektionalität

Teilnehmer*innen können Ebenen im differenzierten Diskurs erkennen und benennen. Sie entwickeln sozialpädagogische Ansätze und Konzepte, wie Akteure und Organisationen mit den 'neuen' Herausforderungen umgehen könnten. Engagement der Bevölkerung gilt es vor dem komplexen Hintergrund systematisch, partizipativ und wissenschaftlich fundiert zu begleiten. Die Studierenden kennen zentrale handlungsleitende Prinzipien. Sie sind in der Lage, sozialpädagogisches Denken und Handeln zum Ausgangspunkt der Analyse zu machen.

 

Wahlpflichtmodul Psychologie

Teilnehmer*innen kennen die normalen mit einer Flucht zusammenhängenden psychischen Schwierigkeiten ebenso wie pathologische Störungen (insbesondere auch deren interkulturelle Besonderheiten) und können sie unterscheiden. Sie kennen die Möglichkeiten und Grenzen ihrer Rolle als Sozialarbeiter*innen, können in psychischen Notfallsituationen adäquat reagieren und kompetent mit dem psychotherapeutischen/ psychiatrischen Hilfesystem kooperieren. Sie sind in der Lage für sich selbst zu sorgen, sich abzugrenzen und zu erkennen, wann sie Intervision/Supervision in Anspruch nehmen sollten.

 

Wahlpflichtmodul Recht

Teilnehmer*innen haben Einblick in die für die Soziale Arbeit mit Geflüchteten wesentlichen Rechtsgebiete: Asylverfahrensrecht, Aufenthaltsrecht und Asylbewerberleistungsrecht. Sie kennen den Ablauf des Asylverfahrens, wissen um die Bedeutung der verschiedenen Aufenthaltstitel und haben Kenntnisse über die rechtlichen Rahmenbedingungen von Beschäftigung/ Arbeitsmarkt und Wohnen.

Die Teilnehmer*innen sind in der Lage, sich in den Quellen der Gesetzesgrundlagen eine Orientierung zu verschaffen. Sie wissen um die unterschiedlichen Möglichkeiten der Rechtsberatung und können entsprechend vermittelnd tätig sein.

Schauen Sie vorbei!

Am 01. April 2017 sind wir beim Studieninformationstag der Hochschule München am Stand des Weiterbildungszentrums vertreten und freuen uns auf Ihren Besuch.

Beginn der Weiterbildung

Vorbehaltlich der Zustimmung durch den Senat Beginn voraussichtlich ab Wintersemester 2017/2018

Anmeldezeitraum

Interessierte können sich ab dem 2. Mai 2017 bis zum 15.Juli 2017 bewerben.

Allgemeines

  • 2 Semester

  • Modularisiertes Angebot

  • Zertifikatsabschluss mit 30 ECTS (European Credit Transfer System)

  • Präsenzblöcke Freitag nachmittags und samstags für ein erfolgreiches Studium neben einer Vollzeittätigkeit

  • E-Learning-gestütztes Selbststudium

  • Praxisbegleitendes Kolloquium und Vorträge

  • Reflexiver Erfahrungsaustausch mit Studierenden, ProfessorInnen und Fachleuten

 

Team

Prof. Dr. Constance Engelfried

Prof. Dr. Burkhard Hill

Norbert Schindler

 

Studiengangsleitung: Prof. Dr. Gerd Mutz

Koordination: Kerstin Jost

Weitere Informationen?

Weiterbildungszentrum an der Hochschule München

Tel. 089 1265-4395

E-Mail: sae@hm.edu

Studie: Engagement für Flüchtlinge in München

Forschungsprojekt_Engagement.pdf

491,7KB | Freitag, 21. Oktober 2016 | Einzelheiten
922 Ansichtsbesuche von 19. Juli 2016 bis 26. März 2017