Zertifikat Soziale Arbeit in der Einwanderungsgesellschaft

Gegenstand der Weiterbildung

Deutschland ist faktisch zu einem Einwanderungsland geworden und die Gesellschaft steht vor der Herausforderung, neue Umgangsformen mit Zuwanderung und „Fremdheit“ zu entwickeln. Es gilt, Integrations- und Inklusionsprozesse neu zu denken. Trotz der vielen engagierten Bürgerinnen und Bürger, die seit Jahren die Zuwanderung von Geflüchteten auffangen, fehlt es an qualifizierten Fachkräften. Die Weiterbildung Soziale Arbeit in der Einwanderungsgesellschaft möchte beruflich oder freiwillig engagierten Menschen einen theoretischen und konzeptionellen Hintergrund vermitteln, damit sie ihre Arbeit besser reflektieren und ausrichten können.

In vier Basismodulen und zwei Wahlpflichtmodulen bietet die Weiterbildung ein breites Spektrum an wichtigen fachlichen Inhalten und öffentlichen Diskursen. Die Fakultät für angewandte Sozialwissenschaften ergänzt das Angebot mit Fachvorträgen und Workshops unter Einbindung zivilgesellschaftlicher Akteure und Betroffener. Ein sozialwissenschaftliches Vorwissen ist nützlich, jedoch nicht zwingende Voraussetzung.

Aufbau (Details)

Semesterablauf

Innerhalb von zwei Semestern absolvieren die TeilnehmerInnen 4 Basismodule und ein Wahlpflichtmodul. Das Zertifikat basiert auf einer Kombination aus E-Learning-Phasen und klassischen Präsenzzeiten. Zu Anfang sowie zum Ende des Semesters kommen die TeilnehmerInnen an einem Wochenende (Freitagnachmittag und Samstag) zusammen, in der Zwischenzeit sind sie online mit dem Kurs verbunden und lernen im Selbststudium, unterstützt durch Online-Tutorien.

Module

Grundlagen Sozialer Arbeit in der Einwanderungsgesellschaft

Teilnehmer*innen kennen das Aufgabenspektrum, den Wertekontext und die Zielsetzungen der Sozialen Arbeit und verstehen diese in ihrer Abhängigkeit vom jeweiligen historisch-politischen Kontext. Sie kennen ausgewählte zeitgenössische Theorien der Sozialen Arbeit und können die Zusammenhänge zwischen den theoretischen Maximen und der praktischen Ausgestaltung der Sozialen Arbeit erkennen. Sie kennen Methoden der Beratung, Begleitung und Aktivierung von Adressat*innen und können diese im klassischen Methodenspektrum verorten. Sie können zentrale Begriffe (Integration, Inklusion, Partizipation) unterscheiden und entsprechende Strategien vor dem Hintergrund konkreter Machtkonstellationen entwickeln. Sie erkennen die Paradoxien professionellen Handelns (Hilfe und Kontrolle, Hilfe und Abhängigkeit usw.) und können diese im praktischen Handeln reflektieren. Sie verstehen die eigene Berufsrolle im Sinne der Begleitung und Unterstützung von Menschen bei der Problembewältigung.

Moderne Flucht- und Migrationsprozesse

Teilnehmer*innen kennen die Vielfalt von strukturellen Hintergründen und Motiven von Migrations- und Fluchtbewegungen und können diese in einen globalgesellschaftlichen Rahmen einordnen. Sie können unterschiedliche Flucht- und Migrationstypologien unterscheiden und gesellschaftliche Folgen von Migrations- und Fluchtbewegungen analysieren und beurteilen.

Theorie-Praxis-Transfer

Vortragsreihe: Zu aktuellen Erfahrungen und Problemstellungen bzgl. möglicher Themen wie Soziale Arbeit als Menschenrechtsprofession, Interkulturelle Kompetenz oder Verwaltungsaspekte werden Fachleute dazu eingeladen aus der Praxis zu berichten.

Praxisbegleitseminar: Gemeinsam in der Gruppe werden Erfahrungen und Vorhaben der Teilnehmer*innen reflektiert und besprochen. Im Vordergrund stehen dabei die persönliche Rolle, die Trägerlandschaft, die gesellschaftlichen, wie ethisch normativen Aspekte.

Teilnehmer*innen sind in der Lage sowohl theoretische Aspekte als auch Handlungsaspekte im Arbeitsalltag umzusetzen. Sie erlangen ein Fallverständnis und können Aspekte institutioneller Zusammenhänge einordnen.

Gender und Intersektionalität

Teilnehmer*innen können Ebenen im differenzierten Diskurs erkennen und benennen. Sie entwickeln sozialpädagogische Ansätze und Konzepte, wie Akteure und Organisationen mit den 'neuen' Herausforderungen umgehen könnten. Engagement der Bevölkerung gilt es vor dem komplexen Hintergrund systematisch, partizipativ und wissenschaftlich fundiert zu begleiten. Die Studierenden kennen zentrale handlungsleitende Prinzipien. Sie sind in der Lage, sozialpädagogisches Denken und Handeln zum Ausgangspunkt der Analyse zu machen.

Wahlpflichtmodul Psychologie

Teilnehmer*innen kennen die normalen mit einer Flucht zusammenhängenden psychischen Schwierigkeiten ebenso wie pathologische Störungen (insbesondere auch deren interkulturelle Besonderheiten) und können sie unterscheiden. Sie kennen die Möglichkeiten und Grenzen ihrer Rolle als Sozialarbeiter*innen, können in psychischen Notfallsituationen adäquat reagieren und kompetent mit dem psychotherapeutischen/ psychiatrischen Hilfesystem kooperieren. Sie sind in der Lage für sich selbst zu sorgen, sich abzugrenzen und zu erkennen, wann sie Intervision/Supervision in Anspruch nehmen sollten.

Wahlpflichtmodul Recht

Teilnehmer*innen haben Einblick in die für die Soziale Arbeit mit Geflüchteten wesentlichen Rechtsgebiete: Asylverfahrensrecht, Aufenthaltsrecht und Asylbewerberleistungsrecht. Sie kennen den Ablauf des Asylverfahrens, wissen um die Bedeutung der verschiedenen Aufenthaltstitel und haben Kenntnisse über die rechtlichen Rahmenbedingungen von Beschäftigung/ Arbeitsmarkt und Wohnen.

Die Teilnehmer*innen sind in der Lage, sich in den Quellen der Gesetzesgrundlagen eine Orientierung zu verschaffen. Sie wissen um die unterschiedlichen Möglichkeiten der Rechtsberatung und können entsprechend vermittelnd tätig sein.

Anmeldung!

Bewerben Sie sich bitte im Bewerbungszeitraum 02.05.2017-15.07.2017 über das Online Portal PRIMUSS.

Beginn der Weiterbildung

Wintersemester 2017/2018

Vorraussetzungen

  • Abgeschlossenes Hochschulstudium (Ausnahmen sind bei Nachweis besonderer Qualifikation möglich);
  • mindestens 6-monatige Tätigkeit mit Geflüchteten;
  • die Weiterbildung richtet sich ausdrücklich auch an Personen mit Migrations- und Fluchthintergrund.

Gebühren

Pro Semester werden die Gebühren ca. 950 € betragen; zusätzlich ist der Beitrag für das Studentenwerk und der Solidarbeitrag Semesterticket zu entrichten.

Anschlussfähigkeit

Nach dem European Credit Transfer System werden alle Module mit jeweils 6 ECTS gewichtet. Insgesamt erhalten die TeilnehmerInnen 30 ECTS.

Team

Prof. Dr. Constance Engelfried

Prof. Dr. Burkhard Hill

Norbert Schindler

 

Studiengangsleitung: Prof. Dr. Gerd Mutz

Koordination: Kerstin Jost

Weitere Informationen?

Weiterbildungszentrum an der Hochschule München

Tel. 089 1265-4395

E-Mail: sae@hm.edu

Studie: Engagement für Flüchtlinge in München

Forschungsprojekt_Engagement.pdf

491,7KB | Freitag, 21. Oktober 2016 | Einzelheiten
1702 Ansichtsbesuche von 19. Juli 2016 bis 28. Mai 2017