Projektarbeit mit Moodle im IPM-Praxisseminar 1

Profil von Anja Bendixen-Danowski, Dozentin der Hochschule München

Als Lehrbeauftragte ist es mein Ziel, mein Wissen und meine Erfahrungen an meine Studierenden weiterzugeben. Ich bin Diplom-Kauffrau der LMU München mit dem Schwerpunkt Personal, Controlling und Wirtschaftspsychologie, Business-Coach (IHK) und Certified Senior Project Manager (IAPM).

Über zehn Jahre führte ich als Bereichsleiterin Marketing/PR/Qualitätsmanagement ein Team und ein sechsstelliges Budget.

Jetzt bin ich seit 2008 als freiberufliche Beraterin für Marketing/PR-Themen unterwegs. In der Erwachsenenbildung arbeite ich seit 2009 für ein Institut, das Fachwirte, Betriebswirte und Meister berufsbegleitend an Samstagen für die IHK-Abschlussprüfungen vorbereitet.

Erstmals führte ich als Dozentin im Wintersemester 2018/2019 das Praxisseminar 1 im berufsbegleitenden Bachelor-Studiengang Internationales Projektmanagement (IPM) durch. Insgesamt 60 SWS fanden an drei Wochenenden statt. Die 25 Studierenden befanden sich im 5. bzw. 7. Semester.

Lernziel des IPM-Praxisseminars 1
Das Praxisseminar 1 fokussiert sich laut Modulhandbuch auf die Reflexion praktischer (Projekt-)Erfahrung im Arbeitsalltag. Außerdem behandelt es schwerpunktmäßig das Einstellungs- und Entwicklungsinstrument des Assessment-Centers (AC).
Nachdem nicht alle IPM-Studierende in ihrer Praxisphase die Möglichkeit erhielten, fundierte Projekterfahrung zu sammeln und gleichzeitig die Mehrheit noch nie ein AC absolvierte, entschloss ich mich beides zu kombinieren. Die E-Learning-Plattform Moodle offeriert hier eine Vielzahl an Werkzeugen. Von Vorteil war, dass der berufsbegleitende IPM-Studiengang bereits mit Moodle vertraut und die Bereitschaft vorhanden war, online zu arbeiten.

Herausforderung: Wie gelingt es, kurzfristige Projektmanagement-Erfahrung zu sammeln?
Diese Frage stellte sich die Dozentin am Beginn des Seminars und entschied sich, in Moodle. Dazu wurden zwei verschiedene Gruppen von der Dozentin manuell angelegt. Die Teilnehmer/-innen sollten sich mit Hilfe der Gruppenwahl selbst in eine dieser beiden Gruppen eintragen. Wichtig war es zu kommunizieren, dass der Arbeitsumfang in beiden Gruppen gleich groß sein würde.
Es handelte sich hierbei um getrennte Gruppen, d.h. nur die Arbeit der eigenen Gruppe war sichtbar. Nach Wahl der Gruppenleiterinnen war es deren Aufgabe, im jeweiligen Forum Unteraufgaben an die Teilnehmer/-innen zu vergeben und dafür Sorge zu tragen, dass jeder seinen Anteil zur Gruppenarbeit leistete.

Welche Vorteile bietet Moodle einem berufsbegleitenden Studiengang?
Die Studierende lernen mit Hilfe der Lernplattform Moodle - wie später im Berufsleben auch - online zu arbeiten! Die Software bietet mit den verschiedenen Werkzeugen wie Gruppenwahl und Forum die Möglichkeit, kooperativ und kollaborativ zusammenzuarbeiten.
Die Digitale Transformation führt zu einer disruptiven Änderung herkömmlicher Projektarbeit in der freien Wirtschaft. Deshalb ist es für die Generation der Digital Natives wichtig, bereits im Studium entsprechend digital vernetzt zu arbeiten.
Um die künftige Projektarbeit möglichst authentisch abzubilden, entschied sich die Dozentin für Gruppenwahl und Forum. Durch die Arbeit in geschlossenen Gruppen sollte eine belebende Konkurrenzsituation entstehen.

Struktur dieser Seite 

Es gibt hier

  • einen kurzen Abriss der Projektschritte,
  • eine Reflexion der IPM-Studenten vom letzten Seminartag sowie
  • eine kurze Zusammenfassung der kritischen Erfolgsfaktoren der Dozentin Anja Bendixen-Danowski.

1. Schritt: Projektstart mit Aufruf zur Gruppenwahl im Moodle-Kurs Praxisseminar 1

Moodle Gruppenwahl.JPG.1
(Details)

Wie es nach der Gruppenwahl im eigenen Forum weiter ging...

Ablauf

Gruppe A entwarf mit zwölf Teilnehmern eine Postkorbübung. Im separaten Forum sorgte das Leitungsteam für die Bildung von Zweier-Gruppen. Die dreizehn Mitglieder der Gruppe B bereitete zwei Mitarbeitergespräche vor. Zweier-Gruppen übernahmen jeweils Einzelaufgaben und koordinierten sich unter einem eigenen Thema im Forum. So gab es eine Gruppe die testete. Eine Gruppe nahm z.B. einen Beobachterstatus ein, eine andere Gruppe entwarf einen Feedbackbogen. Am vorletzten Seminartag führten beide Gruppen zusammen einen AC-Nachmittag durch. Beide Gruppen konnten auf Sekundärmaterial zurückgreifen, um nicht mehr als die eingeplanten fünf Stunden investieren zu müssen.

2. Unterstützung durch die Dozentin

Nachdem der IPM-Kurs am 2. Dezember der Projektarbeit zustimmte, erfolgte am 12. Dezember der Startschuss durch die Dozentin. Wider Erwarten dauerte es bis zum 2. Januar 2019, um zwei Leitungsteams (Leiter und Stellvertreter) zu finden. Ab diesem Zeitpunkt stand die Dozentin den Leitungsteams als Sparringspartner zur Seite. In nur zehn Tagen stellten dann beide Gruppen dank der engagierten Leitungsteams beeindruckende Projektpräsentationen für den 12. Januar auf die Beine.

Im Kolloquium reflektierten die Studierende ihre Gruppenarbeit vorbildlich. Beeindruckend war die Erkenntnis der Geprüften, dass sich ihre in der BIP-Potenzialanalyse (Selbst- und Fremdbild) festgestellten Stärken und Schwächen, in ihrer Projektarbeit wiederfanden. Diese Reflexion begünstigt den späteren beruflichen Erfolge der ersten beiden IPM-Absolventenjahrgänge, die teilnahmen.

Fazit:

  • Bei einer Gruppe fiel eine Leitungsperson aus. Da das Team mit zwei Leistungspersonen besetzt war, war die Projektpräsentation nie gefährdet.
  • Beide Teams gingen erfolgreich durch alle fünf Phasen des Gruppenprozesses (Forming, Storming, Norming, Performing und Re-Forming).

PS: Im Protokoll finden sich alle Unterstützungs-E-Mails der Dozentin.

Anhang: Protokoll E-Mail-Versand

4. Feedback zur Projektarbeit

Am letzten Seminartag wurden die IPM-Studenten um anonymisiertes Feedback zur Gruppenarbeit gebeten:

  • Es gab 22 grüne "positiv" Karten und 18 (rote) Karten zum Thema "verbesserungswürdig"
  • Positiv wurde u.a. die Transparenz, die gute Struktur und die Orts- und Zeitunabhängigkeit vermerkt
  • Mit Moodle gab es diverse technische Schwierigkeiten von 30 Minuten Zeitversatz bis zu zeitaufwändigem Login

Aber lesen Sie selbst...

Anhang: Projektreflexion der IPM-Studierenden

IPM-Reflexion.JPG
(Details)

3. Allgemeine e-Learning-Affinität (EvaSy-Auswertung)

Die EvaSy-Auswertung der offenen Frage "Wie beurteilen Sie e-Learning-Maßnahmen, um den Stoff berufsbegleitend besser zu vertiefen?" ergab:

  • Von 18 abgegebenen Fragebögen, beantworteten 12 auf diese konkrete Frage.
  • Zehn von zwölf Teilnehmern finden e-Learning-Maßnahmen prinzipiell gut (83 %)

Anmerkung: Die Befragung wurde vor dem Start der Projektarbeit durchgeführt.

Fazit: Der berufsbegleitende IPM-Studierende wünschen sich e-Learning-Maßnahmen u.a. "...für Leute, die aus beruflichen Gründen nicht kommen können...", "Könnte eine gute Untrestützung für Teilnehmer sein, die nicht immer kommen können" oder "...um einen Samstag und Sonntag privat zu verbringen...".

Anhang: Kommentare zu e-Learning-Maßnahmen

5. Kritische Reflexion der Dozentin

Die Dozentin listet hier zehn kritische Erfolgsfaktoren für eine erfolgreiche Projektarbeit auf.

Der Übersicht entnehmen Sie jeweils den Soll-Zustand, der dem Ist-Zustand dieses Projektes gegenübergestellt wird.

Zu den wichtigsten Kriterien zählen Leistungsanreiz, Motivation, Gruppenbildung, Eigenverantwortung, Gruppenerfolgserlebnisse, Feedback der Gruppe, Peer-Group-Feedback, konstruktives Gesamt-Feedback zum Projekt, Lehren für die eigene Dozententätigkeit und Moodle-Kenntnisse, die notwendig sind.

Persönliches Fazit: Aus Sicht der Dozentin ein voller Erfolg, der sich in (sehr) guten Kolloquiums-Prüfungsergebnissen wiederspiegelt. Alle Beteiligten - Dozentin wie IPM-Studierende - haben sehr viel dazugelernt!

Anhang: Kritische Erfolgsfaktoren

6. Wie geht es im Wintersemester 2019/2020 weiter?

Wie dem Feedback zur Projektarbeit zu entnehmen ist, sehen die Studierenden die Vorteile, scheiterten jedoch praktisch mit der Moodle-Software und stiegen aus Bequemlichkeit z.B. auf WhatsApp-Nachrichten um. Aus Datenschutzgründen eine sehr bedenkliche Ausweichaktion. Hier wird im nächsten Wintersemester mehr Zeit in die gemeinsame Abstimmung investiert.
Außerdem wurde moniert, dass nicht alle Gruppenmitglieder gleichermaßen die erwünschten fünf Stunden in das jeweilige Projekt investierten. Aus Gründen der Fairness wird auch dieses Thema im nächsten Praxisseminar 1 thematisiert. Die Projekterfahrungen der Dozentin als Certified Senior Project Manager (IAPM) zeigen jedoch, dass sich dieses regelkonforme Verhalten von Projektgruppenmitgliedern in der Praxis nicht erzwingen lässt. Hier lastet in der Praxis besonders auf den Projektleiterin eine hohe Verantwortung für ein gutes Gruppenergebnis.

Mein persönliches Fazit

Die Studierenden reflektierten im Kolloquium ihre Projektarbeit sehr selbstkritisch und lobten den gewonnenen Erkenntnisfortschritt für ihren künftigen Einstieg ins Projektmanagement. Zum Erfolg der Projektarbeit haben maßgeblich die drei engagierten Mitglieder der beiden Leitungsteams beigetragen. Mein Dank gilt allen IPM-Studenten für den tollen AC-Nachmittag, den sie gestalteten!