Beispiel einer Beratung im FSJ

Beispiel für einen Beratungsverlauf:

Alle Anwesenden arbeiten während ihres FSJ mit Menschen mit Handicap.

Schritt 1 Moderation:

Moderation wird festgelegt

Schritt 2 Fallbeschreibung:

Mehrere Fälle werden kurz und knapp angeschnitten. Die Gruppe einigt sich auf einen Fall, der den meisten emotionalen Druck auszulösen scheint. Fall wird vorgetragen:

Eine Freiwillige arbeitete in einer Heilpädagogischen Tagesstätte. In Ihrer Gruppe, die aus insgesamt 6 betreuten Kindern besteht, ist ein „Schrei Kind“ dabei. Dieses permanente und sehr laute Geschrei macht sie inzwischen richtiggehend aggressiv und sie hat Angst dem Kind nicht mehr gerecht zu werden. Eigentlich mag sie den Jungen, aber zurzeit ist sie einfach nur genervt. Der Junge ist bereits seit 10 Jahren in der Einrichtung, er hat einen verminderten Intellekt, ist geistig und körperlich behindert und leidet an Epilepsie. Seine Schreiattacken sind zu den „Bring- und Essenzeiten“ am schlimmsten. Nach dem Mittagessen ist er ruhig, wenn er liegen darf. Wenn man eine Ansage macht oder mit ihm schimpft, findet er alles lustig.. Und an manchen Tagen ist er wie ein Engel…

Die Frage die sie geklärt haben möchte lautet: „Wie kann ich mich dem Kind gegenüber verhalten, wenn er seine Anfälle bekommt?“

Schritt 3 Nachfragen:

Verständnisfragen werden gestellt z.B.:

  • Wie viele Beschäftigte in der Gruppe?
  • Fragen zum Grad der Behinderung.
  • Fragen zur Kommunikationsfähigkeit des Jungen.
  • Fragen zur genauen Beschreibung der „Bring- und Essensituation“
  • Fragen zur genaueren Beschreibung von Situationen wo er friedlich ist.

(Gerne wird an dieser Stelle eine Frage gestellt in der sich bereits eine Lösung verbirgt wie z.B.:“ Hast Du schon mal probiert ihn zu ignorieren, wenn er so schreit?“)

Schritt 4 Sammeln von Assoziationen und Einfällen:

Alle TN werden gebeten an dieser Stelle eine Rückmeldung zu geben. Dies kann auch in Form eines „Blitzlichtes“ erfolgen. Hier gibt es kein richtig oder falsch.

  • „Verzweiflung  und  Zorn“
  • „Boh ich würde ausrasten wenn das den ganzen Tag so geht“.
  • „Ohnmacht“
  • „Mangelnde Aufmerksamkeit, vielleicht?“
  • „Krass, das klingt echt anstrengend.“
  • „Das hört sich mega anstrengend an!“
  • „mir wird ganz schwer wenn ich Dir so zuhöre“.
  • „Ich habe darüber nachgedacht ob der Kleine wohl Schmerzen hat“..
  • „Da krieg ich selber ne Wut!“

Schritt 5 Rückmeldung des Fallgebers:

Die Fallgeberin bezieht sich primär auf die sachlichen Rückmeldungen, und möchte dazu Stellung beziehen.  Zur mangelnden Aufmerksamkeit schildert sie, dass er diese Schreianfälle wirklich nicht bekommt, wenn man sich intensiv und ausschließlich mit ihm beschäftige. Er scheint auch irgendwie eifersüchtig zu sein, denn sobald man ihm den Rücken zu dreht und sich mit den anderen beschäftigt, schreit er hysterisch.  Ob der kleine Schmerzen hat, haben sie sich auch schon gefragt. Sie haben die Mutter auch gefragt ob er sich daheim genauso verhalten würde, was bestätigt wurde immer wenn er seinen Unmut kundtun wolle.  

Im Anschluss nimmt sie nach Rückfrage Bezug auf die anderen Rückmeldungen. Sie hält kurz inne und wirkt erschöpft. Bedankt sich für das Feedback.

Schritt 6 Sammeln von Lösungsvorschlägen:

  • Die Mutter fragen welche Methoden bei ihr funktionieren, um ihn aus diesen Schreianfällen raus zu holen.
  • Ablenken…Spazierengehen, Musik vorspielen, Auszeit geben weil der Trubel in der Gruppe vielleicht zu viel für ihn ist.
  • Belohnung für positives Verhalten
  • Ihm sagen dass man es schön fand, wenn er mal nicht geschrienen hat.
  • Ignorieren
  • Rauskriegen was seine Bedürfnisse sind
  • Ihm auf der Uhr zeigen wie lange man sich mit den anderen beschäftigt, und dass man dann wieder zu ihm kommt. Alternativ kann man auch eine Eieruhr stellen.
  • Es kann wirklich hilfreich sein ihm die Struktur zu verdeutlichen, evtl. durch einen Stundenplan oder mit Bildern. Vielleicht braucht er mehr Transparenz?
  • Irgendetwas zum Ablenken…Rassel oder Knisterball, etwas Malen oder Basteln.
  • Das Umfeld von ihm mit einbeziehen.

 

Schritt 7 Rückmeldung des Fallgebers:

„ Die Idee mit der Ablenkung durch Rassel und Knisterball könnte ich mal ausprobieren. Das Umfeld wird bereits mit einbezogen. Den Tagesplan mit den Bildern gibt es auch bereits, wir glauben aber, dass sein Intellekt nicht ausreicht, um das zu begreifen. Aber die Idee mit der Eieruhr finde ich gut. Was wirklich funktioniert ist ihn aus dem Trubel raus zu holen, ich geh dann manchmal mit ihm in den Snoozleraum. Die Stimmlage macht die Freude bei Ihm, nicht die Botschaft..

Schritt 8 Allgemeiner Austausch und Konkretisierung:

  • Mandala Malen oder Basteln
  • Ihn in kleinere Projekte mit einbeziehen und ihm dabei kleinere Aufgaben übertragen damit er mehr Erfolgserlebnisse hat.
  • Genauer recherchieren, was seine Bedürfnisse sind und welche Maßnahmen hilfreich sind.
  • Die eigene Erwartung an ihn runterschrauben.
  • Vom Fachdienst Rückmeldung holen, ob therapeutische Unterstützung möglich wäre.
  • Den Unmut im Team klar ansprechen. Auch dass deren „genervt sein“ demotivierend wirkt.
  • Belohnung nach einem Arbeitstag, z.B. lecker Essen, sich mit Freunden treffen raus an die frische Luft.

Schritt 9 Abschlussrunde:

Alle Anwesenden tauschen sich über eigen gemachte Erfahrungen mit schwierigen Klienten aus und wie schwer und frustrierend es ist wenn man nicht versteht worum es eigentlich geht. Desweiteren merken sie an dass es vielen so geht, dass sie irgendwann total genervt sind und sich eine kleine Auszeit gönnen, der Austausch mit den Kollegen als sehr hilfreich empfunden wird und es völlig normal ist wenn einem die zu Betreuenden mal auf die Nerven gehen. Es wird kurz „gefachsimpelt“ ob man auf solche Attacken besser mit Aufmerksamkeit oder Ignoranz reagieren sollte.

Schritt 10 Feedback:

Die Fallgeberin bedankt sich bei den Beratern und der Moderatorin. Sie gibt folgende Rückmeldungen:

  • Ich bin dankbar über die Vorschläge.
  • Überrascht wie viel raus gekommen ist
  • Dass vieles mit einem selbst zu tun hat
  • Finde es gut zu merken, dass es anderen auch so geht.
  • Es ist anders wie wenn man mit Freunden darüber spricht, die können es nicht nachvollziehen.

Mein Fazit:

Abschließend möchte ich hierbei noch einmal erwähnen, dass die Teilnehmer sich in ihren Bereichen zwar gut auskennen mögen, es sich aber nicht um Fachkräfte handelt. Die meisten meiner Teilnehmer/Innen sind zwischen 16 und 20 und haben im Vorfeld keine pädagogische Ausbildung absolviert. Es beeindruckt mich jedesmal auf´s neue auf welche wunderbaren Lösungen die jungen Erwachsenen kommen.  

© Birgit Kerstin Benzin, alle Rechte vorbehalten

Kommentare

David Glines
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17 Kommentare